Zipp – deutsch-tschechische Kulturprojekte /

 

Lebenswelten /


Utopie der Moderne: Zlín /


Kafka /


1968|1989 /

 
Eine Initiative der
Kulturstiftung des Bundes
 

 

Der Abdruck aller Bilder erfolgt nur im Zusammenhang mit der Berichterstattung über Zipp – deutsch-tschechische Kulturprojekte honorarfrei. Für alle anderen Verwendungen entstehen Kosten. Fotografen müssen, soweit ihre Namen angegeben sind, bei Verwendung der Abbildungen genannt werden.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. März 2010

Flanierende Töne
„Die Ausstellung ‚Sounds. Radio – Kunst – Neue Musik‛ in den Räumen des Neuen Berliner Kunstvereins widmet sich klanglichen Phänomenen jenseits des Musikbetriebs und kommt damit einem Interesse entgegen, das sich neuerdings in einer Vielzahl von Gruppierungen und Veranstaltungen manifestiert: vom Amateurhaften der audiophilen Fans und Freaks bis hinein in die künstlerische Avantgarde. Klänge dieser Art als Material künstlerischen Formens in den Fokus zu nehmen und damit das Radio als (immer noch) künstlerisches Medium zu präsentieren ist neu. Da nimmt es sich nicht wunder, dass diese Ausstellung nicht ohne kräftige didaktische Impulse auskommt.“ (Christian Deutschmann)

die tageszeitung, 19. Februar 2010

Befreit euch, Sklaven der Verbuchstabung
„Eigentlich ist es schon erstaunlich, dass es so etwas überhaupt noch gibt: experimentelle Hörspiele, Klangcollagen, all diese schwer einzuordnenden Beiträge der öffentlich-rechtlichen Kultursender, denen man als Radiohörer höchstens im Abend- und Spät-nachtprogramm begegnet. Radiokunst ist eine ortlose Kunstform, irgendwo zwischen Literatur, Reportage, Klangkunst und Neuer Musik angesiedelt, bestenfalls preisgekrönte Arbeiten werden als Hörbuch vermarktet. Mit der Ausstellung ‚Sounds. Radio – Kunst – Neue Musik‛ bietet der Neue Berliner Kunstverein der unsichtbaren Kunst nun reichlich Raum.“ (Tim Caspar Boehme)

art-in-berlin, 17. Februar 2010

Sounds. Radio-Kunst-Neue Musik im n.b.k.
„Musik wird als bildliche Notation sichtbar und Klänge werden in der Ausstellung räumlich spürbar. In vielfältigen Übertragungsprozessen und aus unterschiedlichen Perspektiven eröffnet das n.b.k. einen Zugang zur Radiokunst, die nicht länger ‚aus dem Dunkel‛ kommt, sondern erstaunlich bunt und plastisch wirkt. Und so kann man am Ende des Inselhoppings mit aufgesetztem Kopfhörer in der angrenzenden Sofa-Lounge liegen und mit überzeugter Stimme antworten: Radio schmeckt lecker!“ (Verena Straub)

Der Tagesspiegel, 17. Februar 2010

Nur wer sich bewegt, kann hören
„Von draußen nimmt sich der NBK in der Chausseestraße aus wie ein Showroom für Hifi-Technik: Menschen sitzen da mit übereinander geschlagenen Beinen auf Sockeln unter Kopfhörern und blicken versonnen lächelnd ins Leere. Da will man dabei sein. Niedriger kann die Schwelle zur Kunsterfahrung nicht liegen. Einem Kunstverein mit aufklärerischem Anspruch steht das besonders gut.“ (Kolja Reichert)

Deutschlandfunk, 14. Februar 2010


„Über zahlreiche von den Decken herabhängende, ‚‛sogenannte Sound-Duschen‛ kann der Besucher hier nicht nu

Deutschlandradio Kultur, 12. Februar 2010

Ausstellung zum Anhören
„Eine schöne Idee für ein bewegungsaktives akustisches Archiv, in dem sich wahre Perlen der Radiogeschichte gleichsam begehen lassen und zugleich die historischen Referenzen der aktuellen Genres andeuten. Großartiges findet sich darunter, das in seiner enigmatischen Kraft auch von heutigen Produktionen schwer erreicht werden dürfte, wie Walter Bauers siebenminütiger Chor von Fabrikarbeitern aus dem Jahr 1931, ein politisches Hörspiel, das die düstere Aura des Industriezeitalters beschwört. Oder das frühe Hörspiel ‚Eine Stimme von Tausend‛ des literarischen Radiopioniers Hermann Kasack von 1932.“ (Carsten Probst)

werk, bauen + wohnen, 1. Februar 2010

Architektur und totalitärer Kapitalismus

„Auf welch ingeniöse Weise Tomáš und sein Stiefbruder und Nachfolger Jan Antonín die Architektur für ihre Zwecke zu instrumentieren wussten, zeigt sich auch an den Verkaufsläden in den verschiedenen europäischen Metropolen, den so genannten ‚Häusern der Dienstleistungen‛. Mit ihren Beton-Glas-Fassaden, den Lichteffekten und der Skelettkonstruktion trugen sie das Image eines fortschrittlichen Konzerns in die Welt hinaus. Am bekanntesten dürfte das von Josef Gočár, Ludvík Kysela und František Gahura errichtete Baťa-Haus am Prager Wenzelsplatz aus dem Jahr 1928 sein, das inmitten eines historistischen Strassenzugs den Weg in eine moderne Zukunft leuchtet. Damit gehört Baťa zu den frühesten Beispielen einer konsequent auf Architektur bauenden Corporate Identity.“ (Martino Stierli)

kunsttexte.de, 1. Januar 2010

Tschechiens Utopia und der Stiefel der Diktatur
„Bleibt zu hoffen, dass die Ausstellung sowie die umfangreichen Publikationen des letzten Jahres Früchte tragen und Zlín eine ebenso behutsame Weiterentwicklung und anspruchsvolle Erneuerung erfährt, wie seinerzeit die Bauten des Kubismus in Prag. Mit den sanierten Baťa-Häusern in Prag und Brünn, die ehedem mit ihrer radikalen Modernität provozierten, ist ein wichtiger Anfang gemacht, der sich nun auch mit internationaler Unterstützung in Zlín selbst fortsetzen muss.“ (Andreas Barz)

fluter.de, 31. Dezember 2009

Breathless - Dominance of the Moment. Flüchtige Momente
„Auch wenn Zeit natürlich, objektiv betrachtet, kontinuierlich voranschreitet, ist die subjektive Zeitwahrnehmung mitunter extremen Schwankungen ausgesetzt. Jeder kennt das Gefühl, dass ein Tag ‚wie im Fluge‛ vergeht, während eine Minute zur Ewigkeit anschwellen kann. ‚Breathless -Dominance of the Moment‛ ist ein deutsch- tschechisches Dokumentarfilmprojekt, das sich eben diesem Thema – der Zeit – gewidmet hat: Aus mehr als 130 Einreichungen wurden von einer Jury schließlich vier Filme mit einer Länge zwischen 15 und 34 Minuten ausgewählt, die nun gemeinsam im Kino zu sehen sind.“ (Andreas Resch)

Neues Deutschland, 31. Dezember 2009

Dem Sausen der Zeit ein Beinchen stellen
„‚Breathless – Herrschaft des Augenblicks‛ führt die vier Autorenfilmer (plus Marie-Catherine Theiler, Peters’ Lebensgefährtin, die mit ihm Ko-Regie führte) mit vier Werken in einer Kurzfilmkompilation zusammen, die die Zeit zum Thema hat, die Zeit und ihre Nutzung, ihr Verrinnen, ihre Folgen und ihre Relativität. Ein angekündigter fünfter Beitrag, der experimentelle tschechische Kurzfilm ‚The Phantom of Liberty II‛ von Karel Žalud, ist für die DVD-Ausgabe der Sammlung angekündigt. Angestoßen wurde das Projekt von der Filmsparte von Zipp – deutsch-tschechische Kulturprojekte, einer Initiative der Kulturstiftung des Bundes, in Zusammenarbeit mit dem Dokumentarfilmfest Leipzig und dem Dokumentarfilminstitut in Prag.“ (Alexandra Exter)

Stuttgarter Zeitung, 28. Dezember 2009

Vergessenes mährisches Phänomen

„Das Architekturmuseum in München erzählt in seiner aktuellen Ausstellung von der Entstehung Zlíns und von dem Versprechen einer strahlenden Zukunft. [...] Was geschieht mit einer solchen Stadt, wenn die Zukunft vorbei ist? Wenn die Arbeit verschwindet? Kurz nach der Wende und dem Zusammenbruch der sozialistischen Planwirtschaft schlossen die unrentabel gewordenen Schuhfabriken. Heute produziert Baťa nicht mehr in Tschechien. Die Münchner Ausstellung beschreibt, wie sich mitten in der Stadt eine große Stille ausbreitete, und sie erzählt auch davon, wie sich Zlín seitdem erholt hat.“ (Tobias Asmuth)

tip Berlin, 24. Dezember 2009

Augenblick, verweile
„‚Ich liebe mein langweiliges Leben‛, heißt einer der vier Kurzfilme der Doku ‚Breathless‛. Doch das scheinbar öde Leben einer älteren Frau in einem tschechischen Bergdorf ist so liebevoll detailliert gefilmt – mit langen Kamerafahrten durch die Dorfstraßen, kontrastiert mit Entspannungsübungen der Dame –, dass sich die proklamierte Langeweile als genüssliche Meditation entpuppt. Die vier Beiträge der deutsch-tschechischen Koproduktion, entstanden aus einer Initiative zum Thema ‚Zeit und Beschleunigung‛ mit Beteiligung des DOK-Leipzig-Festivals, widmen sich der Frage, was man am besten mit seiner Zeit anfangen kann. Ob humorvoll oder philosophisch, liefern die Filme Beispiele gelungener Versuche, das Lebenstempo zu drosseln.“ (Sassan Niasseri)

Zitty, 17. Dezember 2009

DOKUMENTATIONEN: Breathless – Dominance of the Moment
„Auf der Suche nach der verfilmbaren Zeit sind vier Kurzfilme entstanden, im Rahmen einer Ausschreibung von DOK Leipzig, dem Prager Institut für Dokumentarfilm und der Kulturstiftung des Bundes. Milltown, Montana: Vom einstigen brummenden Bergbaugebiet blieben Schwermetalle im Boden und postindustrieller Stillstand. Ohne Kommentar fügt Rainer Komers Film Alltagsbilder dieser Gegend zu einer sensiblen Meditation über den melancholischen Rhythmus eines perspektivlosen Ortes zusammen: Wunden in der kargen Landschaft, Industrieruinen, wo Sägeblätter im Wind ‚singen‛, Cowboys beim Kälber brandmarken, ehemalige Kumpel im Seniorentreff, junge Männer, die Bergbaufertigkeiten bei einem Wettbewerb unter Beweis stellen.“ (Nora Friedel)

Bauwelt, 4. Dezember 2009

Schöne neue Welt. Modellstadt eines totalitären Kapitalismus

„Auch 20 Jahre nachdem in Zlín die Schuhproduktion eingestellt wurde, genießt die ehemalige ‚corporate city‛ von Tomáš Baťa in Südmähren die ungebrochene Aufmerksamkeit von Architekten, Stadtplanern und Soziologen (s. Bauwelt, 3. Juli 2009). Die aktuelle Ausstellung in der Münchner Pinakothek der Moderne ‚Zlín – Modellstadt der Moderne‛ thematisiert neben Architektur und Stadtplanung vor allem die Aspekte Freizeit, Kultur und Leben in Zlín. [...] Die Arbeiter der Baťa-Fabriken wohnten in Baťa-Siedlungen, kauften im Baťa-Warenhaus ein, besuchten das Baťa-Großkino und waren im Baťa-Sportverein, die Kinder spielten in Baťa-Kindergärten, die Jugend wurde in eigenen Schulen für die Produktion erzogen, die Kranken im Baťa-Hospital behandelt.“ (Jochen Paul)

Frankfurter Rundschau, 25. November 2009

Als die Moderne laufen lernte

„Le Corbusier dachte weiter. Und größer. Im Dienste des Fabrikanten wollte er die Stadt für künftige Herausforderungen rüsten und entwarf dazu in Windeseile einen Masterplan, [...] auf dass die funktionsgetrennte moderne Stadt in noch größerem Maßstab blühen würde. Je mehr der Schweizer aber drängte, je detaillierter er sich in Schauräume, Verkaufsfilialen und Ausstellungspavillons vertiefte, desto schroffer fiel die Ablehnung des Patriarchen aus. Le Corbusiers Visionen waren zu teuer. Dabei waren sich die beiden irgendwie ähnlich. Entwerfen hieß immer auch unterwerfen: Zeit und Raum beziehungsweise Märkte und Meinung. Geld steckte der Baťa-Chef lieber in eine eigene Führungsakademie und eine Propagandaabteilung, die das Programm von Mitteleuropas größtem Kino bestimmte.“ (Oliver Herwig)

The Art Newspaper, 1. November 2009

Zlín: a modernist utopia back on the map
“Now Zlín is set to capture the international imagination once more, with the opening, on 19 November, of an exhibition at the Pinakothek der Moderne, Munich—‘Zlín: the Model Town of Modernism’. The exhibition explores both the social and architectural development of the city, and follows a conference held in Zlín in May, at which architects, urban planners and arts professionals gathered to discuss the city ‘Utopia of Modernism’. [...] The conference was part of a series of German-Czech projects initiated by the Kulturstiftung des Bundes (German Federal Cultural Foundation), which has a mission to raise awareness in the west of the countries in eastern Europe.” (Rita Pokorny)

die tageszeitung, 12. Oktober 2009

Es gibt noch Schätze zu heben
„Auf der Bühne von Simeon Meier stehen bunte Plastikhocker, Bambus aus Porzellan, Orchideen und zwei Stände mit gefakten US-Army-Klamotten. Die Regisseure Helgard Haug und Daniel Wetzel haben in Berlin-Lichtenberg und Prag auf vietnamesischen Märkten recherchiert, wo sie auch ihre jungen Darstellerinnen casteten. Die angehenden Studentinnen arbeiten dort als Aushilfen ihrer Eltern. Neben Vietnamesisch und Tschechisch sprechen sie Englisch und beschämend gut Deutsch, gelernt von Einkaufstouristen. So souverän, dass sie sich Ironie leisten können: Europäische Hunde stinken. Aber vietnamesische: lecker-lecker!“ (Christiane Kühl)

Dresdner Neueste Nachrichten, 12. Oktober 2009

Grenzwerte der anderen Art
„Hochgelobt und dennoch völlig unprätentiös weben sich die beiden Regisseure Helgard Haug und Daniel Wetzel ihren Stoff aus Lebensepisoden und stellen diese in neuen Zusammenhängen auf die Bühne. Nahezu alljährliche Theaterpreise sind Lohn ihrer Arbeit, einen Einblick in deren Tiefe und Breite lässt allein die Dankesliste zum jüngsten Projekt, das im Dresdner Kleinen Haus seine Uraufführung erlebte, erahnen.“ (Andreas Herrmann)

Sächsische Zeitung, 12. Oktober 2009

Asiatische Pappfamilie im deutschen Wald
„Bewundernswert ist, wie Haug und Wetzel die Menschen dazu bringen, sich zu öffnen, zu erzählen und wie sie sie dennoch niemals vorführen oder ausnutzen. Ein kleiner Einblick in die Welt direkt vor der Haustür – Son und Hung betreiben ihre Läden am Dresdner Albertplatz und sind dennoch unbekannt. Und wie wohltuend und berührend ist der globale Blick auf die Grenze in Zeiten des Wende-Feiertaumels.“ (Valeria Heintges)

nachtkritik.de, 9. Oktober 2009

Onkel Hos vergessene europäische Kinder
„Immerhin hatte man bisher von diesen Nachbarn nicht viel mehr gewusst, als dass, wo sie auftauchen, häufig eine Stange Zigaretten blitzschnell den Besitzer wechselt. Und dass die Tomaten bei ihnen billiger sind als im Konsum. Auf einmal stehen Biografien hinter ihnen, und das Theater wird für zwei Stunden ein Ort, der Wirklichkeit zu einem außerordentlichen ästhetischen Erlebnis vergrößert.“ (Caren Pfeil)

Frankfurter Allgemeine Zeitung Online, 11. September 2009

Die Lieblingsklänge kommen aus Prag
„Der Themen und Methoden sind viele, mit denen sich das Projekt ‚Radio D-CZ‛ des Nachbarlandes Tschechien annimmt. Selten genug bei derartigen Unternehmungen, hat die Veranstaltungsreihe ‚ZIPP – Deutsch-tschechische Kulturprojekte‛ auch das Radio als ernstzunehmende Kunstsparte einbezogen. Ins Leben gerufen von der Kulturstiftung des Bundes bemühen sich neben Film, Theater, Ausstellungswesen und Buch auch fünf eigens produzierte Hörstücke darum, den deutsch-tschechischen Kulturaustausch zu bereichern.“ (Christian Deutschmann)

Der Tagesspiegel, 19. Juli 2009

Zlin, Stadt der Arbeit
„Zlín, eine kleine Stadt im Osten Tschechiens, ist ein Mekka für Architekturfans, vergleichbar der Weißenhofsiedlung in Stuttgart oder den Bauhaus-Bauten in Dessau, nur wesentlich unbekannter. Sie ist noch immer ein Geheimtipp, auch wenn schon Le Corbusier hier zu Gast war, für Baťa Erweiterungsbauten plante und davon sprach, dass Zlín ‚ein leuchtendes Phänomen‛ sei. Wer tschechischen Funktionalismus in Reinkultur erleben will, der reise nach Zlín. Oder nach München. Denn die Ausstellung ‚Das Baťa-Phänomen‛ aus der Nationalgalerie Prag wird ab Herbst in der Pinakothek der Moderne zu sehen sein.“ (Christina Tilmann)

Bauwelt, 3. Juli 2009

Zlín – Stein gewordene Utopie der Moderne?
„Die Medialisierung, die sich modernster technischer und ästhetischer Mittel und Methoden bediente, aber auch eine umfassende lebensweltliche Rekonstruktion sind Schwerpunkte der jüngeren Forschung zum Thema Zlín. Vergleichsweise wenig erforscht sind überdies die verschiedenen weltweiten Satelliten. Von Otrokovice, der nur gut zehn Kilometer entfernten ersten tschechischen Dependance, konnten sich die Teilnehmer der Tagung im Rahmen einer Exkursion selbst ein Bild machen.“ (Hubertus Adam)

epd Medien , 1. Juli 2009

Utopie und Krise
„Retrotopia ist Teil des Projekts ‚rádio d-cz‛, das, von der Bundeskulturstiftung getragen, in die Veranstaltungsreihe ‚Zipp – deutsch- tschechische Kulturprojekte‛ eingebettet ist, die mit Theaterstücken, Film und Radio, Architektur, Bildender Kunst und Zeitgeschichte Spuren der Gemeinsamkeiten beider Länder sucht. ‚rádio d-cz‛ fasst fünf großformatige und zehn Minutenstücke zusammen, die sich mit deutsch-tschechischer Wirklichkeit beschäftigen und zugleich zeigen wollen, wozu das Radio außer ‚konventionellen‛ Hörspielen und Features fähig ist.“ (Christian Deutschman)

die tageszeitung, 15. Juni 2009

Stadt aus Schuhen
„Zipp will mit den Tschechen über übernationale Problemstellungen ins Gespräch kommen. Es ging um den Umgang mit den Hinterlassenschaften der Moderne in urbanistischer Hinsicht. ‚Learning from Zlín?‛ hieß die Frage. Was aber könnte man von Zlín lernen? Zunächst einmal viel Historisches. Zlín, obwohl die erste funktionalistische Idealstadt der Moderne, ist selbst unter Fachleuten ziemlich unbekannt. Als die Crème de la Crème der avantgardistischen Architekten unter Führung von Le Corbusier 1933 ihre Charta von Athen verfasste, in der die funktionalistische Trennung von Arbeiten, Wohnen und Verkehr als Leitbild im Städtebau beschlossen wurde, da gab es das alles in Zlín bereits – und es funktionierte.“ (Ronald Berg)

Berliner Zeitung, 6. Juni 2009

Strahlend modern
„Der eiserne Vorhang machte im Westen oft vergessen, dass die Moderne ein ganz Europa umspannendes Konzept war. Zlin liegt zwar auf den ersten Blick weit entfernt weg von den bekannten Werkstätten der Moderne, Paris, Dessau, Berlin oder Amsterdam. Wie nah diese Peripherie aber doch war, zeigte eine Ausstellung in der Prager Nationalgalerie – deren Katalog schnell vergriffen war. Sie ist selbst mit ihrer streng funktionalistischen Messepalast-Architektur ein Monument der Klassischen Moderne. Und in Zlin fand ein Kongress zur internationalen Moderne statt, veranstaltet von Zipp – deutsch-tschechische Kulturprojekte, einer grenzübergreifenden Initiative der Bundeskulturstiftung.“ (Jan Maruhn)

Süddeutsche Zeitung, 27. Mai 2009

Schuh, Bau und Utopie: Ein Symposium in Zlín, der Musterstadt des Schuhfabrikanten Tomáš Baťa
„Wie Silvio Berlusconi war Tomás Bata (1876–1932), der Gründer des gleichnamigen Schuhimperiums, für seine markigen Aussprüche bekannt: Als er im Privatflugzeug einmal seine südmährische Heimat überflog und den Blick von oben über ihre Landstriche schweifen ließ, soll er sich ein ‚Erdbeben gewünscht haben, das die alten Bauernhäuser auslöschen würde‛, denn ‚alles Alte erstickt uns nur‛. Das Erdbeben wurde schließlich von Baťas Architekten in Zlín organisiert, am Stammsitz der 1894 gegründeten Firma, die als kaiserlicher Hoflieferant im Weltkrieg das österreichische Heer mit Soldatenstiefeln ausrüstete und dadurch expandieren konnte. So zumindest lautete der Befund des Olmützer Architekturhistorikers Rostislav Švácha, vorgetragen beim internationalen Symposium ‚Utopie der Moderne: Zlín‛, das als Veranstaltung der deutsch-tschechischen Kooperationsprojekte ‚Zipp‛, die von der Kulturstiftung des Bundes getragen werden, nun an Ort und Stelle über die Bühne ging.“ (Volker Breidecker)

Berliner Zeitung, 18. Dezember 2008

Eine Bühnenbiografie der Getty-Zwillinge
„Nun sind es die Enkel, die Fragen stellen. Die Generation, die nicht dabei war. Thorsten Trimpop ist so ein Enkel, geboren 1974, er fragt jedoch nicht nach Krieg und Faschismus, sondern nach dem Mythos danach, der Flower-Power-Überwindung von bürgerlicher Starre, Autorität in den Knochen. Er geht zu denen, durch deren Blut die Zeit gekocht ist, in Ost und West. ‚ZIPP 68/89‛ heißt das deutsch-tschechische Kulturprojekt, etliche Theateraufführungen beleuchten die Studentenbewegung in Berlin und Prag. ‚Alles wird anders – eine utopische Erinnerung‛ heißt Trimpops ehrliche Dokumentarchronik. Es beginnt mit einem Video-Triptychon, das einen psychedelischen Klischee-Trip erwarten lässt, dann aber wird das Tempo langsam, bevölkert sich die Bühne mit Realität.“ (Margarete Groschupf)

Berliner Morgenpost, 16. Dezember 2008

Wir waren die ersten Girls
„Spurlos ist das Leben nicht an Gisela Getty und Jutta Winkelmann vorbeigegangen. Doch lediglich ein paar Falten um die Augenwinkel verraten das Alter der Zwillinge. Auch mit Ende fünfzig sind die einstigen It-Girls der späten Sechziger und frühen Siebziger noch hochattraktive Frauen. [...] Die Schwestern, die in der Produktion erstmals gemeinsam auf der Bühne stehen, haben mit dem Regisseur dafür Texte entwickelt: ‚Was ihm gefallen hat, war unsere weibliche Sichtweise auf die Aufbruchstimmung von damals‛, sagt Gisela Getty. ‚Wir waren anfangs zwar auch begeistert von linker, politischer Kaderarbeit, aber uns war das zu eng, zu männlich bestimmt. Wesentlich war die Selbsterfindung von zwei Mädchen. Wir sehen uns als die ersten Girls‛“. (Ulrike Borowczyk)

Radio Prag, 6. November 2008

Zipp – Deutsch-Tschechische Kulturprojekte in Prag vorgestellt
„Ein sehr dichter Programmherbst wurde kürzlich in Tschechien angesagt. Auf einer Pressekonferenz in Prag konnten sich Journalisten mit den mannigfaltigen Veranstaltungen der deutsch-tschechischen Kulturprojekte bekannt machen. Diese werden durch die Kulturstiftung des Bundes organisiert. Es geht um gezielt wenige Projekte zu ausgesuchten Themen, von denen man glaubt, dass sie in beiden Ländern relevant sind, um diskutiert zu werden. Die Kulturstiftung des Bundes ist eine politische Stiftung, die Kultur fördern soll, und dies auch außerhalb der Grenzen Deutschlands. Neben Themen wie etwa Migration, Arbeit und schrumpfende Städte, gilt es, die Verbindungen zu anderen Ländern zu vertiefen. Hortensia Völckers, künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, sieht einen guten Grund dafür.“(Jitka Mládková)

Rheinischer Merkur, 6. November 2008

Franz Kafka: Ein höchst verdächtiger Autor
„Ohne ihn kein Prager Frühling: Die legendäre Konferenz von Liblice, die alles ins Rollen brachte, wurde wieder aufgelegt. [...] ‚Kafka war damals ein höchst verdächtiger Autor, weil von ihm niemand wusste, wo man ihn einordnen sollte,‛ erinnert sich Kusák. ‚War er ein bourgeoiser Schriftsteller, verbreitete er dekadente Gedanken oder verdirbt er sogar die Jugend?‛ Es war ein unausgesprochener Bann, der auf dem Schriftsteller lag – nicht zuletzt auch deshalb, weil er als Prager auf Deutsch geschrieben hatte. Die Kultur-Oberen der Kommunisten jedenfalls konnten mit seinen Werken nichts anfangen. Wie es damals vor 45 Jahren gelang, trotz alledem die Konferenz zu organisieren und sogar ein internationales Publikum einzuladen, das lässt sich nur noch schwer rekonstruieren. [...] ‚Kafka war damals so eine Art Test‛, glaubt der Heidelberger Literaturwissenschaftler Roland Reuß, der mit seinem Institut für Textkritik gemeinsam mit der Bundeskulturstiftung die Neuauflage der Kafka-Konferenz organisiert hat. ‚Die Intellektuellen probierten immer wieder, wie weit sie gehen können, bis das Regime einschreitet.‛ (Kilian Kirchgeßner)

Radio Prag, 2. November 2008

Martin Becker – ein Wessi, dem der Ostwind stark um die Nase weht
„Im Oktober dieses Jahres ist der Beginn von einer neuen Reihe deutsch-tschechischer Kulturprojekte unter dem Namen Zipp verkündet worden. ‚Zipp‛ lässt dabei nicht per Zufall an den auf Deutsch Zipper (Reißverschluss) und den tschechischen ‚zip‛ erinnern. Gewählt wurde er gezielt, weil von Anfang an deutsche und tschechische Künstler beim Zustande-kommen der insgesamt sieben Projekte sozusagen verzahnt sein sollten. Über das erste von ihnen – das tschechisch-deutsche Theaterstück ‚Exit 89‛ - haben wir vor einer Woche in der Sendereihe ‚Kultursalon‛ informiert. Genauer gesagt Jaroslav Rudiš und Martin Becker. Über die Zusammenarbeit des jungen tschechisch-deutschen Autorenduos und dessen gemeinsame künstlerische Reflexion der 40-jährigen Zeitspanne zwischen den historischen Wendepunkten 1968 und 1989 unterhielt sich Jitka Mládková mit Martin Becker.“ (Jitka Mládková)

Der Tagesspiegel, 30. Oktober 2008

Die dunkle Seite des Mondes
„‚I’ll be your mirror‛, singt sie, mit diesem schweren deutschen Akzent in der dunklen Stimme, ‚reflect what you are, in case you don’t know.‛ Ich werde dein Spiegel sein, spiegeln, was du bist, falls du es nicht wissen solltest. Der Song, der von einem Leben als Projektionsfläche erzählt, ist auf dieser berühmten Velvet-Underground-Platte mit der Andy-Warhol-Banane als Cover verewigt, und die Frau, die ihn singt, hieß mal Christa Päffgen, bis sie beschloss, sich Nico zu nennen. Nicht von ungefähr das Anagramm von ‚Icon‛, Ikone. Sie hätte ihren 70. Geburtstag gefeiert in diesem Herbst, aber sie ist tot, seit 20 Jahren schon. ‚Sie hatte ein sehr abgründiges Leben‛, sagt die Schauspielerin Birgit Doll, ‚manchmal erschreckt es mich derart, dass ich einen Schritt zurücktrete und es mir von außen betrachte.‛ (Patrick Wildermann)

Die ZEIT, 30. Oktober 2008

Kafka kam nach Liblice: Deutsche und tschechische Intellektuelle diskutierten über den Beginn des Prager Frühlings
„Was hat Kafka damit zu tun? Er war doch nur ein Dichter, stammte aus Prag, schrieb auf Deutsch, war Jude, hatte erst den österreichischen Pass und nach 1918 den tschechoslowakischen. 1938, als die Deutschen das Land besetzten, war er längst gestorben (1924), seine Bücher wurden verboten, und später setzten die Kommunisten die Repression mit anderen Mitteln fort. Erst 1965 konnte eine Übersetzung des Process-Romans erscheinen, und die Schriftstellerin Alena Wagnerová erinnerte sich daran, wie ihr als junger Frau der Name Kafka zugeflüstert wurde. Als sie dann zum ersten Mal den berühmten Anfang des Processes las: ‚Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet‛, fand sie das, was da beschrieben wurde, ‚völlig normal‛, es war ihr und allen, die das lasen, aus den stalinistischen Prozessen vertraut, ‚nur hatte es noch niemand aufgeschrieben‛. So begann die politische Wirkung eines unpolitischen Autors. (Ulrich Greiner)

Süddeutsche Zeitung, 29. Oktober 2008

Geheimwissen: Zwei Kafka-Konferenzen im tschechischen Liblice
„Schloss Liblice ist ein überaus malerischer Ort für eine Tagung. [...] Aber vor allem ist es, wie dem unbefangenen Teilnehmer aus Deutschland erst allmählich klar wurde, ein Tatort, an den es die Täter 45 Jahre nach der Tat mit Gewalt zurückzieht; und verjährt ist nichts. ‚Kafka und die Macht‛ lautete das Thema des Kongresses, den die Kulturstiftung des Bundes ausrichtete, beziehungsweise – denn er fand in zwei Sprachen statt – ‚Kafka a moc‛. Dem wurde er auf andere Weise gerecht, als man zunächst erwarten mochte. Einen ersten Hinweis gaben die drei Jahreszahlen unter dem Titel: 1963 – 1968 – 2008. Im Jahr 1963 fand hier schon einmal ein Kafka-Kongress statt, ein Kongress, der Epoche gemacht hat: Er erwies sich als einer der ersten Schritte auf jenem Weg, der erst auf den Prager Frühling zusteuerte und dann auf die Panzer vom 21. August.“ (Burkhard Müller)

Der Tagesspiegel, 28. Oktober 2008

Kafka-Konferenz in Liblice: Franz und der Frühling
„Sie wurde zu einem Mythos: die Kafka-Konferenz, die 1963 auf Schloss Liblice in der Nähe von Prag aus Anlass des 80. Geburtstags des Schriftstellers stattfand. Jetzt gab es dort wieder eine Kafka-Tagung. [...] Und Theweleit ist es dann, der die 63er-Liblice-Konferenz mit Henri Bergson versucht auf einen Punkt zu bringen, und zwar mit dessen Begriff von der ‚Geschichte, die wir rückwärtsgewandt verändern, allein dadurch, dass wir mit ihr umgehen‛. Die Fakten von damals seien nicht mehr eindeutig zu klären, zu der Wahrheit von heute aus gesehen aber gehöre, dass Kafka im heutigen Tschechien immer vor dem Hintergund der Liblice-Konferenz gelesen werde [...]“ (Gerrit Bartels)

die tageszeitung, 28. Oktober 2008

Kafka-Tagung in Liblice: Der arme Franz K.
„An diesem so historischen wie abgelegenen Ort fand 1963 eine Tagung über den Schriftsteller Franz Kafka statt, die legendär geworden ist. [...] Nun, am vergangenen Wochenende, wurde hier wieder getagt, über die erste Kafka-Tagung und darüber hinaus über Kafka und die Macht überhaupt. Wie vehement das Werk des armen Franz K. mit Macht und Gegenmacht aufgeladen war und wie kompliziert es ist, es wieder davon zu befreien, das wurde in diesen drei versunkenen Tagen im herbstlichen Böhmen am Nebelmeer sehr deutlich. Was die Heldengeschichte der ersten Liblice-Tagung zwar nicht zerstörte, aber relativierte – und erklärbar machte.“ (Dirk Knipphals)

Frankfurter Rundschau, 28. Oktober 2008

Konferenz in Tschechien: Täter Opfer Kafka
„Der Teufel dieser Konferenz hieß Alexej Kusák. Der 79-Jährige saß agil, als sei er Gründgens' Mephisto, auf seinem Stuhl und teilte Sottisen aus – ‚Den Ruhm der Kafka-Konferenz von 1963 begründete Radio Free Europe‛ – oder rief dem 1930 in Moskau geborenen Michal Reiman zu, er sei ein Lügner. [...] Es war die Intensität Kafkas, in der die Täter und Opfer der Terrorregime des 20. Jahrhunderts ihr eigenes Leben wiederfanden. Noch wichtiger aber war – darauf wies der in Wien lehrende Literaturhistoriker Michael Rohwasser auf der Konferenz zur 63er- Konferenz hin, die vergangenes Wochenende auf Schloss Liblice stattfand –, dass es bei Kafka kein Opfer gibt, das nicht auch Täter ist. Es war also gerade die Ausweglosigkeit, das tiefverwurzelte Schuldgefühl, gegen die die kommunistische Kafka-Interpretation sich heftigst zur Wehr setzte, die viele der in Liblice versammelten Kommunisten am mächtigsten ansprachen.“ (Arno Widmann)

Lausitzer Rundschau, 20. Oktober 2008

Internationale Kafka-Konferenz in Liblice
„‚Franz Kafka und die Macht‛ heißt eine Tagung im tschechischen Liblice, bei der am 24. und 25. Oktober internationale Experten die Bedeutung des Jahrhundertschriftstellers für politische Ereignisse in der ehemaligen Tschechoslowakei diskutieren wollen. Das im Rahmen des deutsch-tschechischen Kulturprogramms ZIPP von der Kulturstiftung des Bundes geförderte Symposium knüpft an die legendäre Kafka-Konferenz auf Schloß Liblice aus dem Jahr 1963 an, die großen Einfluss auf das kulturpolitische Klima in Osteuropa Pakt hatte.“ (Jakob Lemke, dpa)

Thüringische Landeszeitung, 2. Oktober 2008

Kulturprojekt Zipp: Von Franz Kafka bis Frank Zappa
„Von Franz Kafka bis Frank Zappa, vom Prager Frühling 1968 bis zum Ende des europäischen Kommunismus 1989: Die Kulturstiftung des Bundes initiiert in diesem und im kommenden Jahr mit dem deutsch-tschechischen Kulturprojekt ‚Zipp‛ gewaltige Grenzüberschreitungen. ‚Wir wollen uns mit dem "neuen Europa" auseinandersetzen‛, erklärt Hortensia Völckers, künstlerische Direktorin der Stiftung. Die Veranstaltungsreihe wird in Hamburg und Berlin, aber auch in der tschechischen Metropole Prag und im südtschechischen Brno (Brünn) zu Gast sein.“ (Jakob Lemke, dpa)

Radio Prag, 25. September 2008

Forum Gesellschaft – Prag im Ohr: Die Klanglandschaften von The Favourite Sounds
„Das Prag in den Köpfen der Menschen – das ist meist ein fotogenes Motiv, eine Kulisse aus Hradschin, Karlsbrücke oder der Altstädter Silhouette mit ihren hundert Türmen und Kuppeln. Doch wie klingt Prag eigentlich, welchen Rhythmus spielt Tschechiens Hauptstadt, wie klingt ihr Herzschlag? Als interaktives Hör-Portrait mit den Lieblingsklängen aller Prager ist ‚The Favourite Sounds of Prague‛ eines von fünf aktuellen Hörkunstprojekten im Rahmen von ‚rádio d-cz‛. Eine Initiative des deutsch-tschechischen Kulturprojekts Zipp, hinter dem die Kulturstiftung des Bundes steht. Radio Prag hörte hinein in die Prager Klanglandschaften.“ (Dennis Rauschenbach)

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. August 2008

Prager Frühling: Ein kurzer Halt an der Tankstelle
„Eine ganz normale Autobahntankstelle mitten in Tschechien. Sandwiches, Zeitschriften, Instantkaffee aus dem Automaten. Davor ein vollbesetzter Lkw-Rastplatz, eine leerstehende Telefonzelle und dann nur noch die Ausfahrt zur Autostrada. Dort steht ein schlichtes, kleines und nicht sehr schönes Denkmal aus schwarzem Marmor. Es erinnert an die zweihundert Meter weiter liegende Stelle, an der am 1. September 1992 der Wagen von Alexander Dubček verunglückte.“ (Jaroslav Rudiš)

Eurozine, 11. August 2008

Von 68 nach 89
„Das große 68er-Jubiläum neigt sich seinem Ende zu. Umso mehr gerät bereits das kommende Jubiläumsjahr (20 Jahre Mauerfall und 60 Jahre Bundesrepublik) in den Mittelpunkt der geschichtspolitischen Aufmerksamkeit. Unter den unzähligen Veranstaltungen zum Thema 68 ragte in diesem Zusammenhang eine heraus. Unter dem Motto ‚Crossing 68/89‛ hatten die Kulturstiftung des Bundes, die Akademie der Künste, die Berliner Sophiensäle, das Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und das Deutsch-Tschechische Gesprächsforum zur Debatte am 30. Mai d. J. in die Akademie am Potsdamer Platz eingeladen.“ (Jiří Dienstbier, Jiří Grusa, Lionel Jospin, Adam Michnik, Oskar Negt und Friedrich Schorlemmer im Gespräch)

Radio Prag, 10. Juni 2008

Zeitgeschichte als Event: Berlin und Prag 1968 in der Retrospektive
„Crossing 68 – 89 - das war der Titel einer ungewöhnlichen Veranstaltung in der Berliner Akademie der Künste. 40 Jahre nach dem Prager Frühling und den Studentenprotesten trafen im modernen Glasbau am Brandenburger Tor Intellektuelle, Künstler und Zeitzeugen zusammen, um über 1968 in Ost und West zu diskutieren. Bis in die frühen Morgenstunden hinein konnten die zahlreichen Besucher zwischen Lesungen, Konzerten, Performances und Filmen wählen und miteinander ins Gespräch kommen.“ (Sarah Houtermans)

Prager Zeitung, 5. Juni 2008

Prager Frühling und Berliner Herbst
„Oft wird der ‚Prager Frühling‛ auf die politische Dimension als eine von oben – von Alexander Dubček und seinen Anhängern – initiierte Liberalisierung beschränkt. Eine breiter angelegte gesellschafts- und kulturgeschichtliche Perspektive ist aber notwendig [...]. Deshalb lenkt ‚Crossing‛ den Blick auf die gegenseitige Wahrnehmung von neuen Ideen, Utopien, Protestformen, Symbolen und künstlerischen Arbeiten westlich und östlich der durchlässig gewordenen Grenze. [...] Der heutige Blick ist ein europäischer – umso produktiver und wichtiger sind grenzübergreifende Projekte wie ‚68/89‛.“ (Katharina Zink)

Vorwärts, 3. Juni 2008

Wo alles in der Welt aufbrach
„Mit Musik, Performances, Filmen und Gespräch ging es in der Akademie der Künste eine ganze Nacht lang um die Schnittstellen der Protestbewegungen des Jahres 1968 und die Entwicklung hin zum Jahr 1989. Zu dem spannenden Abend hatten ‚Zipp – deutsch-tschechische Kulturprojekte‛ und die Kulturstiftung des Bundes eingeladen.“ (Birgit Güll)

Deutschlandfunk, 1. Juni 2008

Der Geist der Revolte in allen Räumen
„Mit ‚1968‛ und ‚1989‛ verbinden sich höchst unterschiedliche Erfahrungen und Lebensgeschichten - je nachdem, ob man in Ost oder West daran teilnahm. Genau jene Differenz beleuchtete gestern ein Themenabend in der Berliner Akademie der Künste. Das Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und das Deutsch-Tschechische Gesprächsforum hatte dazu Zeitzeugen, Historiker und Künstler eingeladen.“ (Tamara Tischendorf)

Die WELT, 30. Mai 2008

Wenn 1968 auf 1989 trifft
„Wer in den Kern deutscher und europäischer Geschichtspolitik vorstoßen will, braucht nur die Jahreszahlen 1968 und 1989 miteinander in Beziehung zu setzen. Auch der Kalender gibt diese Gedankenoperation vor. Den Deutungsschlachten um 1968 werden sich im nächsten Jahr, wenn sich Mauerfall und friedliche Revolution zum zwanzigsten Mal jähren, diejenigen um 1989 anschließen. In der Berliner Akademie der Künste hat man gestern schon einmal den Brückenschlag versucht.“ (Eckhard Fuhr)

 
 

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