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Fotos: Rolf Simmen

Furt dokola – In einem fort

O-Ton-Hörspiel / Autoren: Kateřina Šedá, Rolf Simmen
DLR/WDR 2009, 53 min

Sendetermine:
14.09.2009, 00:05 Uhr (Deutschlandradio Kultur)
14.09.2009, 23:05 (WDR3)
22.09.2009, 23 Uhr (WDR1Live)

Hörprobe

Seitdem der „Eiserne Vorhang“ gefallen ist, bauen die Nachbarn höhere Gartenzäune. Die tschechische Künstlerin Kateřina Šedá hat einen Blick für das Politische im Privaten. In ihrem Heimatort Brno Líšeň kletterte sie über Zäune und provozierte territoriale Konflikte im Kleinformat.

Kateřina Šedá verwickelt gern kunstferne Menschen in künstlerische Aktionen und stellt damit Kunst- und Alltagswelt gleichermaßen auf die Probe: Für ihre Abschlussarbeit an der Prager Kunstakademie ließ sie von einer Jury aus Mitgliedern ihrer Familie die Arbeiten der Kommilitonen beurteilen. Um ihre Großmutter aus einer chronischen Depression zurückzuholen, regte Šedá die alte Dame dazu an, aus dem Gedächtnis die Gegenstände aus dem Haushaltswarengeschäft zu zeichnen, in dem sie früher gearbeitet hatte. In täglichen Sitzungen entstanden so mehr als 600 Zeichnungen. Auf der documenta 12 zeigte die Künstlerin ein Projekt über die Anonymität einer Hochhaussiedlung: 1000 Familien erhielten von ihr ein Hemd zugeschickt, jeweils bedruckt mit den bunten Fassaden der Trabantenstadt, ohne Kommentar und mit der Adresse einer ihnen unbekannten Familie aus derselben Siedlung als Absender. Alles Weitere überließ Šedá der Neugierde und Eigendynamik der Menschen. Ihr laufendes Projekt „Furt dokola – In einem Fort“ hat Kateřina Šedá zusammen mit dem Radiokünstler Rolf Simmen von Anfang an akustisch dokumentiert: vom Start auf der 5. berlin biennale für zeitgenössische kunst, wo 40 Berlin-Besucher aus Líšeň auf einem ehemaligen Mauerstreifen Nachbauten ihrer Gartenzäune vorfanden und diese in einem symbolischen Akt überkletterten, bis zu Šedás Lauf durch Líšeň im Juni 2008, als die Künstlerin entlang einer auf dem Stadtplan gezogenen Linie selbst über Hecken und Zäune stieg und mit ihren Nachbarn eine Grenzverletzung nach der anderen durchspielte. Aus ihren Mitschnitten und Interviews haben Šedá und Simmen ein Radiostück entwickelt, das von den Stimmen derjenigen ausgeht, die im Zentrum von Kateřina Šedás Arbeit stehen: Leute von nebenan, mit denen Šedá in der Kunst (und im Radio) gemeinsam Spielräume erproben will, um die eigene Situation zu hinterfragen, sich ungeschriebene Regeln bewusst zu machen, Grenzen zu testen und Alternativen zu entwerfen.

KATEŘINA ŠEDÁ
geb. 1977, ist eine Protagonistin der jungen tschechischen Aktionskunst. Spätestens seit ihrer Teilnahme bei der documenta 12 (2007) ist sie auch international eine gefragte Künstlerin. Für das Projekt „rádio d-cz“ arbeitete sie zum ersten Mal explizit mit Klang.

ROLF SIMMEN
geb. 1969, studierte Slavistik in Basel und arbeitet als freier Übersetzer und Medienschaffender in Berlin. Mitarbeit im freien Radio LoRa in Zürich. Dort gestaltete er von 2001 bis 2004 die Sendung „REPETE“ über Kultur und Leben in Mittel- und Osteuropa. In Mali gab er Fortbildungen für Mitarbeiter von Gemeinschaftsradios und realisierte im Frühjahr 2007 das Projekt „Soap Radio, einen experimentellen Wettbewerb: Lokalradio gegen Fernseh-Soap“.


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