Zipp – deutsch-tschechische Kulturprojekte /

 

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1968|1989 /

 
Eine Initiative der
Kulturstiftung des Bundes
 

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rádio d-cz. Fünf Radiosonden in die deutsch-tschechische Wirklichkeit

„Das Hörspiel? Glauben Sie wirklich an seine Existenz?“, fragte der Radiopionier Friedrich W. Bischoff in seinem „Hörspiel vom Hörspiel“ 1931 nicht ohne Selbstironie. Und noch vor wenigen Jahren hätte sich niemand über eine solche Frage gewundert. War die Radiokunst nach dem Hype der „goldenen Fünfziger“ und dem viel beachteten Aufbruch des Neuen Hörspiels in den 1970er-Jahren doch an den Rand der medialen Wahrnehmung entschwunden. Heute aber ist die Hörkunst selbstbewusster denn je, man kommt kaum an ihr vorbei. Sie erscheint als Hörbuch, gelangt in Planetarien, Kinos und Clubs zur Aufführung oder als Element hybrider Performances und Installationen in Theatern und Galerien. Neben Soziologen und Sounddesignern, Kulturwissenschaftlern und Urbanisten haben bildende Künstler akustische Medien und das Radio für sich entdeckt. Die gegenwärtige „Renaissance der Radiokunst“ findet ihre stärkste Resonanz dabei gerade außerhalb des Radios: Sender suchen externe Kulturpartner, Hörspielmacher arbeiten über Spartengrenzen hinweg und orientieren sich in einer vielgestaltigen und internationalen Kunst- und Kulturszene.

Gute Zeiten also für „rádio d-cz“, das genau diese Entwicklung fördern wollte. Dazu schickte es Autoren, bildende Künstler, Hörspieldramaturgen, Geräuschesammler und Musiker in jeweils international zusammengesetzten Teams auf Entdeckungsreisen in deutsch-tschechische Lebenswelten. Fünf Radiokunst-Arbeiten entwarfen eine skizzenhafte Kartografie aus Geschichte und Geschichten, Klanglandschaften und Erinnerungsströmen auf den sozialen Terrains beider Länder. Diese Grenzüberschreitungen erfolgten spielerisch, überraschend und abenteuerlustig.

Die fünf Radiokunst-Arbeiten und eine Kurzhörspielreihe wurden von Deutschlandradio Kultur, SWR, WDR, ORF und dem Tschechischen Rundfunk produziert und gesendet. Über die Ausstrahlung im Radio hinaus wurden die Stücke vor Ort präsentiert, was dem Medium insofern entgegenkommt, als es seit seiner Erfindung die Intimität des privaten Hörens mit dem Versprechen verbindet, die ganze Welt ins Ohr zu holen. Die zwei Ausstellungen „Sounds. Radio – Kunst – Neue Musik“ im Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.) und „rádio d-cz in tranzitdisplay“ in der Galerie tranzitdisplay in Prag machten auch außerhalb des Radios die Radiokunst räumlich erleb- und hörbar.

Ein Projekt von Zipp – deutsch-tschechische Kulturprojekte, einer Initiative der Kulturstiftung des Bundes, in Zusammenarbeit mit Asociace MLOK, Prag; Goethe-Institut Prag; Filmová a televizní fakulta Akademie múzických umění v Praze (Fakultät für Film und Fernsehen an der Akademie der Darstellenden Künste Prag); Institut intermédií Českého vysokého učení technického a Akademie múzických umění v Praze (Intermedia Institut der Technischen Universität und der Akademie der Darstellenden Künste Prag); Školská 28 – Komunikační Prostor (Galerie Školská 28, Prag); tranzitdisplay, Prag; DEAI (setkání), Prag; n.b.k., Berlin.

Autoren: Peter Cusack, Marek Janáč, Steffen Irlinger, Werner Pöschko, Kateřina Šedá, Rolf
Simmen, Jáchym Topol, Miloš Vojtěchovský u. a.

Projektleitung: Gaby Hartel und Frank Kaspar in Zusammenarbeit mit Michal Rataj und Miloš Vojtěchovský

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Hintergrundtexte

Transforming City-Sounds
”The Favorite Sounds of Prague“ – a Radio Exploration of Everyday Acoustics

Von Miloš Vojtĕchovský

“For us, all that remained of the city were fleeting hints. Remains of peripheral paving overgrown by grass; corners where the village green infiltrated among the last blocks of the city that engulfed it; forgotten walls and chimneys of factories that had ceased producing anything long ago; overgrown buildings the city had rejected; jungle-like forests that had grown up around them; hedges and fences once delimiting land, but now jutting without reason into space. We didn’t need the city itself for our great race – for us it remained as an invisible centre to which we paid homage – but at the same time we carelessly left it to its own devices.” (Jan Štolba, “Absent City”)
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Von den Grenzen des Äthers
Von Michal Rataj

Von der Avantgarde der 1920er-Jahre bis zu den elektronischen Experimenten der 1960er und 1970er – die tschechische Radiokunst schöpft aus einer reichen Tradition und schien doch zwischenzeitlich vom Aussterben bedroht zu sein. Wie es die Sendeanstalten dennoch geschafft haben, den böhmischen Talkessel wieder zum Klingen zu bringen, schildert Michal Rataj. Dass nationale Grenzen dabei nicht die Grenzen der Kunst sind, liegt in der Natur der Sache: Welches Medium ist schließlich derart zur Überschreitung prädestiniert wie der Äther?
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