Zipp – deutsch-tschechische Kulturprojekte /

 

Lebenswelten /


Utopie der Moderne: Zlín /


Kafka /


1968|1989 /

 
Eine Initiative der
Kulturstiftung des Bundes
 

Milltown, Montana

Ein Film von Rainer Komers (D 2009, 34 min)

Get the Flash Player to see this player.


Ton: Michel Klöfkorn
Schnitt: Bert Schmidt
Drehformat: Super 16
Produktion: Rainer Komers / Kloos & Co. Medien GmbH

Milltown, auf Deutsch „Mühlheim“, ein Ort in Western Montana am Zusammenfluss von Blackfoot und Clark Fork River. Hier wurde Holz verarbeitet, erst mit Wasserkraft und nach dem Bau des Milltown-Damms mit elektrischer Energie. Der Clark Fork River kommt aus Butte, 120 Meilen südöstlich von Milltown, einst die größte Bergbaustadt der USA. Der Damm und das Wasserkraftwerk wurden kürzlich abgerissen, das Holzwerk ist stillgelegt. Im Sommer bringen Kanuten etwas Farbe in die Industriebrache, doch Angler sieht man hier nicht. Gifte und Schwermetalle, die der Fluss aus den Minen von Butte und der Kupferschmelze von Anaconda mit sich führte, haben den Grund des ehemaligen Stausees kontaminiert. Um das Gelände zu renaturieren, soll der Giftschlamm, geschätzte 14 Millionen Lastwagenladungen, jetzt abgetragen und stromaufwärts gebracht werden an einen Ort namens Opportunity, den die Minengesellschaft Anaconda einst als Musterdorf im Grünen neben der Kupferschmelze errichtet hatte. Der Clark Fork River ist das größte Renaturierungsprojekt („Superfund Site“) der USA.

Kommentar des Regisseurs:
„Als Kind des Ruhrgebiets und Bewohner Mülheims beschäftigt mich die Frage: Was kommt nach der Industrie, wie geht es mit dem Leben und der einst durch technische Prozesse in Gang gesetzten Beschleunigung weiter? Kommt es zu einer Wiederannäherung an den Rhythmus der Natur? Lassen sich Technik und Wissenschaft und ein Leben mit der Natur vereinen? Wie leben die Nachfahren der sogenannten „Naturvölker“, was verstehen sie unter „Fortschritt“, wie verhalten sie sich zur „Beschleunigung“? Seit zehn Jahren beschäftigen sich meine Filme mit Bewegung an Schauplätzen in einer Landschaft. Zwischen den Dingen, Menschen und Orten gibt es keine Hierarchien, sie werden gleich behandelt, auf ihren Rhythmus und ihre Gesten hin untersucht. Insofern gibt es in den Filmen auch keine Protagonisten, es gibt Beziehungen und Begegnungen, vorbereitete und unvorbereitete.“

Notiz des Mentors:
„Rainer Komers ist ein besonderer Filmemacher, der Filme über besondere Orte auf besondere Weise erzählt. Er macht den Rhythmus und den spezifischen Fluss der Zeit an diesen Orten für den Zuschauer erlebbar. Er erklärt niemandem, was er zu denken hat, im Gegenteil: Er lässt uns teilhaben an der Gestaltung des Films. Seine Sprache ist weder Deutsch noch Englisch oder Russisch, seine Sprache ist das Kino.“ (Miroslav Janek, Filmemacher, Tschechien)

Preise:
„Milltown Montana“ wurde mit dem Blicke Filmpreis 2009 ausgezeichnet.
www.blicke.org

Beim Big Sky Documentary Film Festival 2010 (Missoula, Montana, USA) wurde „Milltown, Montana“ mit dem Excellence Award für Best Editing ausgezeichnet.

RAINER KOMERS
Geboren 1944 in Guben. Filmstudium an der Kunstakademie Düsseldorf, Studium der Fotografie an der Universität Essen. Arbeit als Regisseur und Kameramann in Alaska, Ecuador, Frankreich, Indien, Japan, Lettland, Litauen, Russland, Yemen. Seine Filme wurden bei 3sat, Arte, HR, PBS, WDR und ZDF ausgestrahlt. Lebt und arbeitet in Berlin und Mülheim an der Ruhr. Lehrt in Berlin, Düsseldorf, Münster und Wien. Sein Film „Nome Road System“ gewann 2004 den Internationalen Kurzfilmpreis beim Planet in Focus, Toronto sowie den Deutschen Kurzfilmpreis 2005.

Filmografie:
Ma’rib (2008)
Kobe (2006)
Nome Road System (Earthmoving) (2004)
NH 2 (Earthmoving) (2004)
B 224 (Earthmoving) (1999)
Ein Schloss für alle (1998)
Ofen aus (1993–1995)
Lettischer Sommer (1992)
Erinnerung an Rheinhausen (1987–1989)
Die Sterne der Heimat (1985)
Wer bezahlt für Hitler? (1983)
480 Tonnen bis viertel vor zehn (1981)
Zigeuner in Duisburg (1978–1980)
2211 Büttel (1974)


Impressum / Drucken