Ein Film von Anca Miruna Lazarescu (D 2009, 28 min)
Kamera: Börres Weiffenbach, Tobias Tempel
Ton: Johannes Schmelzer-Ziringer, Friedrich Wohlfarth
Schnitt: Uwe Wrobel
Protagonisten: Prof. Dr. Helmut Minne (Mediziner), Rainer O. Neugebauer (2. Vorsitzende des Kuratoriums der John-Cage-Orgel-Stiftung), Christoph Hallegger (Vorstand des Fördervereins), Andreas Saage (Orgelbauer), Margot Dannenberg (ABM-Kraft der John-Cage-Orgelstiftung)
Drehformat: XDCAM HD
Produktion: Stefan Kloos / Kloos & Co. Medien GmbH
In einer kleinen Kirche in Halberstadt in Sachsen-Anhalt spielt eine Orgel das Stück „Organ²/ASLSP“ des Avantgarde-Komponisten John Cage so langsam wie möglich – Tag und Nacht ohne Unterbrechung bis zum Jahr 2640. Ein Verein in Halberstadt hat dieses Projekt ins Leben gerufen und widmet ihm viel Zeit und Leidenschaft. Viermal im Jahr treffen sich die Mitglieder und diskutieren darüber, wie und ob Sie auch ihre Enkel für das Projekt werden begeistern können und was nach dem Ende der Aufführung im Jahr 2640 sein wird. Wird man dann Abgaben an die GEMA entrichten müssen? Wie lässt sich Geld finden, um die vorhandene provisorische „Interimsorgel“ durch eine „richtige“ Orgel zu ersetzen? Was passiert, wenn beim Tonwechsel im Februar 2009 ein siebter Ton dazukommt, die Orgel bislang aber nur sechs Pfeifen fassen kann? Beruflich und gesellschaftlich etabliert, scheint das John-Cage-Orgelprojekt für die ehrenamtlichen Organisatoren eine Art Insel der Entschleunigung zu sein, ein Freiraum für die Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Zeitanschauung. Auf humorvolle, doch gleichzeitig nachdenkliche Weise zeigt der Film verschiedene Blickwinkel auf dieses außergewöhnliche Projekt: einerseits die intellektuellen Gefechte der Initiatoren, auf der anderen Seite den direkten und praktischen Umgang der freiwilligen Mitarbeiter mit all der Arbeit, die ein solches Unterfangen mit sich bringt. Diese unterschiedlichen Perspektiven machen „Es wird einmal gewesen sein“ zu einem Film voller bewegender und humorvoller Momente, der sich auf besondere Weise der Frage nach der Wahrnehmung von Zeit widmet.
Kommentar der Regisseurin:
„Ich wollte in diese Welt – die für mich skurril und faszinierend zugleich ist – eintreten und herausfinden, warum diese Menschen so fest an das Projekt glauben und es mit all ihrer Kraft und Zeit und mit sehr viel Geld unterstützen, obwohl sie niemals die Vollendung des Werkes miterleben werden.“
Kommentar der Mentorin:
„Die Absurdität dieser nicht miteinander vereinbaren Elemente war das, was mich sofort an Ancas Projekt begeistert hat. John Cages Organ2/ASLSP wird so langsam gespielt, dass keine Menschenseele es jemals komplett hören kann. Trotzdem ist die Erhaltung des Projekts in menschlicher Hand. Ich finde Humor à la Tati in den Bildern dieser Kirche in einer ostdeutschen Kleinstadt, wenn Touristen versuchen, die Bedeutung dieses Kunstwerkes zu fassen. Man findet immer Humor in den Dingen, die sehr, sehr ernst genommen werden!“ (Susanna Helke, Filmemacherin, Finnland/USA)
ANCA MIRUNA LAZARESCU
Geboren 1979 in Timişoara, Rumänien. 1990 Emigration nach Deutschland. Seit 2000 Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen HFF München. Ihre bisherige Arbeit umfasst Dokumentarfilme und Kurzspielfilme. „The Secret of Deva“ gewann zahlreiche internationale Preise und wurde weltweit an TV-Sender lizensiert. „Salma – In zwei Welten“ entstand für 3sat, und „Bukarest – Berlin“ war für den Berlin Today Award der Berlinale 2005 nominiert.
Filmografie:
Das Geheimnis von Deva (2007)
Salma – In zwei Welten (2005)
Bucuresti – Berlin (2004)