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1968|1989 /

 
Eine Initiative der
Kulturstiftung des Bundes
 

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Internationale Konferenz

24.–25.10.2008, Liblice

Die Kafka-Konferenz auf Schloss Liblice bei Prag im Jahr 1963 veränderte nicht nur die Rezeption des bis dahin verfemten Autors: Die kontrovers geführten Diskussionen der Literaturwissenschaftler hatten einen unbestreitbaren Einfluss auf das kulturpolitische Klima in der Tschechoslowakei. Indem mit dem Tabu, mit dem Kafkas Werk bis dahin belegt war, gebrochen wurde, wurde der Weg geebnet für die Reformbemühungen des Prager Frühlings. Im Nachhinein erscheint Kafka daher als Symbol für die Wiedergeburt intellektueller und künstlerischer Freiheiten innerhalb des kommunistischen Systems.

Um Kafkas Rolle in dieser Zeit des geistigen, kulturellen und politischen Aufbruchs zu beleuchten, trafen sich internationale Wissenschaftler am 24. und 25. Oktober 2008 zu einer Tagung mit dem Titel „Kafka und die Macht“ am Ort des historischen Geschehens. Hier stand eine aktuelle Bewertung der von 1963 ausgehenden Entwicklungen an: War Kafkas Literatur tatsächlich ideologischer Sprengstoff? Hat sie der politischen Reformbewegung als Katalysator gedient? Inwieweit waren die Forderungen nach einem „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ von einer Relektüre des Schriftstellers beeinflusst? Kurzum: Gibt es eine Grammatik der Macht, gegen die Kafka anschreibt? Im Nachvollzug der historischen Ereignisse sollte noch deutlicher werden, wie der Weg von einem eng gefassten sozialistischen Realismus hin zu einem „Realismus ohne Ufer“ beschritten wurde. Zeitzeugen, Schriftsteller, Politiker und Diplomaten haben in Liblice zu dieser Diskussion beigetragen und davon berichtet, welchen Stellenwert Kafka in ihrer ganz persönlichen Erinnerung an die Zeit zwischen 1963 und 1968 hat.
Klaus Theweleit, Alena Wagnerová, KD Wolff und Alexej Kusák, um nur einige der prominenten Tagungsteilnehmer zu nennen, diskutierten über den Fortgang der Kafka-Rezeption nach dem Prager Frühling und ergänzten historische Fragen durch werkimmanente Analysen.

Ein Projekt von Zipp – deutsch-tschechische Kulturprojekte, dem Institut für Textkritik in Heidelberg und dem Germanistischen Seminar der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg in Zusammenarbeit mit dem Institut für Zeitgeschichte der Akademie der Wissenschaften, Prag.

Mit freundlicher Unterstützung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.

Konferenzprogramm | Biografien der Referenten | Bilder | Projektpartner


Hintergrundtexte

Die Liblice-Konferenz 1963
Von Martin Endres

Der Prager Frühling begann 1963. Jedenfalls kann eine Konferenz auf Schloss Liblice bei Prag als Urszene der Revolte gelten. Sie widmete sich einzig und allein einem politisch an sich unverdächtigen und längst verstorbenen Schriftsteller: Franz Kafka. Martin Endres blickt zurück und zeigt, warum der Sozialismus stalinistischer Prägung kaum etwas mehr zu fürchten hatte als die subversive Kraft der Literatur.
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Die Tschechen sind eine Erfindung ihrer eigenen Literatur
Ausgerechnet die Debatte um den vermeintlich unpolitischen Schriftsteller Franz Kafka stellte 1963 den Sprengstoff bereit, an dem sich der Prager Frühling entzünden sollte. Im Gespräch mit Ronald Düker erläutert Jiří Gruša, der Schriftsteller, Diplomat und Weggefährte Václav Havels, die immense Bedeutung der Literatur für die tschechische Politik. Er erklärt auch, wie die nationalen Pflichten für einen Schriftsteller zum Fluch werden können. Und wie Franz Kafka in diesem Dilemma noch immer eine Vorbildfunktion hat.
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