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Eine Initiative der
Kulturstiftung des Bundes
 

Theater Archa © foto Srdjan Stanojevic, Dáda Němeček 2008.

Exit 89. Horror mit menschlichem Antlitz

Buch: Martin Becker, Jaroslav Rudiš
Skript: Martin Becker, Jiří Havelka, Jaroslav Rudiš
Regie: Jiří Havelka
Musik: Michal Nejtek
Szene: Dáda Němeček
Dramaturgie: Ondřej Hrab
Kostüme: Jana Smetanová
Mit: Ján Sedal, Marie Ludvíková, Jiří Hána, Philipp Schenker, Jakub Žáček, Zuzana Stavná, Petr Reif
Bilder der Aufführung hier.

Der Handlungsort der Musikinszenierung ist kein fiktiver und zudem sehr symbolträchtiger Ort: die Autobahnraststätte am 89. Kilometer der Autobahn D1 von Prag nach Brno, an welcher die Helden des Stücks zusammengeführt werden. Die Autobahn D1 verbindet nicht nur Böhmen und Mähren, sondern ist auch eine Art deutsch-tschechische Magistrale, sie verbindet schließlich auch Westeuropa mit Mittel- und Osteuropa. Im Jahre 1992 ist hier der Politiker Alexandr Dubček, die Symbolfigur des Prager Frühlings tragisch verunglückt. An der Raststätte erinnert heute ein Denkmal an den Unfall.

Am „Exit 89“ treffen nun sechs Menschen und ihre Geschichten aufeinander: Karel, der ehemalige Chauffeur und große Bewunderer Dubčeks. In seinem Kopf steckt noch immer eine Kugel, die ihn 1968 traf, als das Gebäude des Tschechischen Rundfunks in Prag gestürmt wurde. Seitdem plagen ihn Halluzinationen, Gedächtnisverlust und plötzlich wiederkehrende Erinnerungen. Nach und nach treffen die weiteren Protagonisten ein: das sich ständig streitende deutsch-tschechische Liebespaar, Christian und Nela, eine Tankstellenbedienung sowie die beiden LKW-Fahrer Rudi und Sascha, die als seltsame Wiedergänger von Dubček und Dutschke erscheinen. Die Figuren verbinden die Gegenwart mit der Vergangenheit, ihre zweisprachigen Gespräche kreisen um das Revolutionsjahr 1968, finden Anlass, dieses mit 1989 und der Gegenwart zu verknüpfen.

Für die Librettisten Martin Becker und Jaroslav Rudiš und den Regisseur Jiří Havelka ist „Exit 89“ eine Geschichte über das Gedächtnis. Denn bei der Bearbeitung des Themas mussten sie feststellen, dass sie als später Geborene die Ereignisse von 1968 nicht ohne 1989 und 2008 denken können. „Exit 89“ ist daher vor allem ein Stück über die Erinnerung; darüber, dass die Geschichte der Menschheit durch das menschliche Gedächtnis geschaffen ist und dass das Gedächtnis rückwirkend die Identität eines Einzelnen bzw. der ganzen Nation bildet.


JIŘÍ HAVELKA (Regisseur)
ist Regisseur und Schauspieler im Studio Ypsilon und Mitglied der unabhängigen Theater-gruppe Vosto5. Bei seiner Autorentätigkeit nutzt er vor allem die Methode der kollektiven Improvisation. Er ist Träger des Alfred-Radok–Preises in der Kategorie Talent des Jahres.

MARTIN BECKER (Autor)
schreibt Hörspiele, Sendungen und Kommentare für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (WDR, MDR und SWR) und Buchrezensionen. Im Jahre 2007 wurde sein erstes Buch „Ein schönes Leben“ veröffentlicht. Zu seinen jüngeren Rundfunkarbeiten gehört das Radiostück „Lost in Praha“, an dem er mit Jaroslav Rudiš zusammen gearbeitet hat. Er ist Träger mehre-rer literarischer Preise, u.a. des Kunstpreises Literatur.

JAROSLAV RUDIŠ (Autor)
ist Schriftsteller, Dramatiker und Drehbuchautor. Für sein erstes Buch „Himmel unter Berlin“ erhielt er den Jiří Orten-Preis. Sein zweites Buch „Grandhotel“ nutzte er als Grundlage für das gleichnamige Filmdrehbuch, das anschließend von David Ondříček verfilmt wurde. Zusam-men mit dem Künstler Jaromír 99 gestaltete er eine Comic-Romantrilogie „Alois Nebel“.

Eine Produktion des Divadlo Archa (Archa Theater, Prag) im Rahmen des Zipp-Projekts „68/89 - Kunst.Zeit.Geschichte.“


Hintergrundmaterial


Exit 89. Notizen aus der Produktion (pdf)
Von Jiří Havelka

Der Regisseur Jiří Havelka hat sich gemeinsam mit dem Bühnenbildner Vladimír Němeček und dem Librettisten Jaroslav Rudiš (für das Autorenteam Jaroslav Rudiš/Martin Becker) in Klausur begeben: Mit Jarda und dem Bühnenbildner Dáda Němeček (etwa: Deutschlein) – was ein einigermaßen witziger Name für ein deutsch-tschechisches Projekt ist – haben wir uns in ein Haus unweit von Prag eingeschlossen und drei Tage über das Jahr 68 gesprochen, über die „Sechziger“ überhaupt, wir haben Zeitungen aus der Zeit gelesen, die damals in der Tschechoslowakei für kurze Zeit herauskommen konnten und die Zeitgeschichte reflektieren. wir haben uns die authentischen Verlautbarungen aus dem Radio vom 21. August angehört, hauptsächlich aber haben wir geschrieben. Wir haben die ursprüngliche Version des Librettos umgeschrieben, wollten aber auch keine endgültige Fassung schreiben.
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Exit 89. Horror mit menschlichem antlitz (pdf)
Gespräch mit den Autoren und dem Regisseur

Jiří Havelka, der Regisseur, sowie Martin Becker und Jaroslav Rudiš, die Autoren des Librettos der tragischen Operette Exit 89 im Gespräch mit Ondřej Hrab, Direktor des Archa Theaters in Prag, über Fragen des individuellen und historischen Gedächtnisses sowie die deutsch-tschechische Zusammenarbeit der Künstler.
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