Bühne und Regie: Jana Svobodová
Dramaturgie: Ondřej Hrab, Tomáš Vrba
Lichtdesign: Lukáš Brinda, Pavla Beranová
Musik und Sounddesign: Jan Středa
Produktion: Helena Rousová
Mit: Eva Hromníková, Philipp Schenker
Moderator des fiktiven Radiosenders: Jaroslav Rudiš
Bilder der Aufführung hier.
Das halb-dokumentarische Drama Chance 1989 ist eine komplizierte dramatische Kollage von authentischen und fiktiven oder halb-fiktiven Begebenheiten. Die Grundlage bildet ein erfundenes Hörspiel über die romantische Liebesbeziehung von Kurt und Květa (er ist Deutscher, sie Tschechin), die trotz Hindernisse in glücklicher Ehe mündet. Die Ehe wird aber nach einiger Zeit durch die Aufdeckung von Kurts Zusammenarbeit mit der Stasi getrübt. Die Geschichte entwickelt sich episodisch und gleichzeitig werden darin comicartige Clips eingefügt, die die tragischen Begebenheiten auf der Lipno Talsperre im Jahre 1975 illustrieren. Damals versuchte eine Gruppe von ostdeutschen Bürgern mit einem Helikopter, geflogen von einem ehemaligen Pilot der amerikanischen Armee, nach Westdeutschland zu flüchten. Die Beschreibung dieses Vorfalls wird von Zitierungen aus der damaligen Presse und den Fernsehnachrichten umrahmt. Die Inszenierung beinhaltet auch Diskussionen über die kommunistische Totalität und über die folgenden zwanzig Jahre danach.
Die Prager Premiere fand am 16. September 2009 im Archa Theater statt. Das Projekt wurde – neben Prag – auch auf dem internationalen Theaterfestival Divadelná Nitra gezeigt und im Dezember 2009 im Rahmen des deutsch-slowakisch-tschechischen Projektes „68/89 Kunst.Zeit.Geschichte.“ in Hamburg, Berlin, Brünn und Žilina gezeigt. Unter dem Titel Svoboda! Svoboda? Freiheit! Freiheit? nahmen deutsche, tschechische und slowakische Theaterproduktionen den Umbruch und die Folgen von 1989 ins Visier. Im Rahmen des internationalen Festivals Performing Revolution in Central and Eastern Europe, dessen Hauptveranstalter die New York Public Library war, wurde das Stück am 10.11.2009 in New York aufgeführt.
Sowohl in Prag als auch in New York nahmen an der anschließenden Debatte bedeutende Intellektuelle teil. In Prag wurde eine Podiumsdiskussion mit neun Persönlichkeiten organisiert, an der Spitze mit Václav Havel. In New York waren drei Vertreter anwesend: Martin Palouš, der Kritiker und Historiker Martin C. Putna und Professor John K. Glenn, Leiter der US Global Leadership Coalition. Neben ihnen nahmen auch Václav Havel und Jacques Rupnik an der Debatte teil, und zwar per Videokonferenz, die während der Prager Vorstellung aufgezeichnet wurde.
Ein Theaterprojekt des Autorenkollektivs Jana Svobodová, Anna Grusková, Tomáš Vrba und Ondřej Hrab, eine Produktion des Divadlo Archa (Archa Theater, Prag) im Rahmen des Zipp-Projekts „68/89 Kunst.Zeit.Geschichte.“
JANA SVOBODOVÁ
Studierte Puppenspiel an der Akademie der musischen Künste in Prag. Im Jahre 1992 absolvierte eine Tanzausbildung unter der Leitung von Min Tanaka in Japan. Zwischen 1988 und 1994 bis 1995 arbeitete mit Per Schumann am Bread and Puppet Theater zusammen. Im Jahr 1997 schuf sie zusammen mit dem Künstler Petr Nikl die Produktion Solstice, die in Prag, Johannesburg, Kyoto, London, Brüssel und Belgrad gezeigt wurde. Ab 1997 arbeitete sie kontinuierlich mit Petr Nikl als Drehbuchautorin, Regisseurin und Performerin am tschechisch-südafrikanischen Projekt zusammen, dessen Vorstellungen unter den Titels Im Spiegel (1998), Hinter dem Spiegel (1999), und Abgetragene Träume (2001-2004) aufgeführt wurden. Im Jahr 2004 Theaterproduktion Second Hand Twilight für das Macufe Festival in Südafrika. Seit 2003 engagierte sie sich konsequent in Projekten mit Schwerpunkt auf der Zusammenarbeit zwischen professionellen Künstlern und Vertretern bestimmter sozialer Gruppen (Hip-Hop Szene, Ausländer in Tschechien). Weitere Regiearbeiten: Vzpomínky (1993), Týden Prahy v Antverpách (1993), Poutníkova cesta (1999), Archa 2000 - Divadlo v pohybu (2000), Hodná Anna (2000), Něžné knoflíky (2001), Čajovna KarMa – Duchovní horor (2004). Koautorin des Skripts der Theaterproduktion Marné tázání nebes (Regie J.A.Pitínský), arbeitete an einer Reihe von Projekten des wissenschaftlichen Theaters (2003-2009). Künstlerische Leiterin des Zentrums für theatralische Forschung Archa.lab in Prag.
ONDŘEJ HRAB
Direktor des Prager Theaters Archa. Studium an der Ökonomischen Hochschule in Prag, danach Arbeit als Soziologe. Seit Mitte der 70er Jahre Mitwirkung bei unofiziellen Kulturaktivitäten, z.B. Organisieren der Auftritte von westlichen Künstlern in Prag. 1985-1987 Manager des Brünner Theaters HaDivadlo. Ab 1991 Direktor des E. F. Burian Theaters in Prag, in dessen Räumlichkeiten er 1994 nach umfangreicher Renovierung das Theater Archa eröffnete. Ab 2000 Unterricht am Lehrstuhl für alternatives Theater und Puppentheater an der Theaterakademie (DAMU) in Prag.